Café Resistenza Termine 2019

Café im Mai: Nationalsozialismus in Landshut

05.05.2019, Alte Bergstraße 146, 19:00 Uhr

Vortrag und Diskussion

Café im Juni: Auftakt zur Aktion „Wohlstand für alle!“

02.06.2019, Alte Bergstraße 146, 19:00 Uhr

Vortrag und Diskussion

Café im Juli: Rechte Strukturen in Landshut

07.07.2019, Alte Bergstraße 146, 19:00 Uhr

Vortrag und Diskussion

Nachttanzdemo, Befreiungsparty und weitere Veranstaltungen

In der Nacht vom 30.04 auf den 01.05.1945 wurde Landshut vom Faschismus befreit! Nachdem die letzten SS-Mannschaften aus dem Rathaus geflohen waren, wurde am Turmkranz von St. Martin gegen 03:15 die weiße Fahne gehisst. Der Einmarsch der amerikanischen Truppen in die Altstadt erfolgte zwischen 5 und 6 Uhr morgens. So endete das gewalttätigste Kapitel deutscher Geschichte!
Das wollen wir feiern!

Nachttanzdemo

Start am Bahnhof, 18 Uhr

Ab 18:00 Uhr startet am Bahnhof eine tanzwütige Meute durch die Stadt zum Pavillion auf der Ringelstecherwiese. Vom Lautsprecherwagen aus beschallen euch folgende Djs:
Wird noch bekannt gegeben!

Befreiungsfeier

Alte Kaserne, 20 Uhr

Ab 20:00 Uhr werden dann die Pforten der alten Kaserne geöffnet um weiter die Nacht der Befreiung vom Faschismus zu zelebrieren! Kommt herbei! Wider das Vergessen und Verdrängen! Nie wieder Faschismus!
Das Line-Up folgt in Kürze!

8. Mai – Tag der Befreiung

Achdorfer Friedhof, 18 Uhr
Gedenken an die Opfer des Faschismus

Kinoptikum, 19 Uhr
„Verbrechen Liebe“ Film und Diskussion mit Thomas Muggenthaler

Extreme Rechte in europäischen Regionen

23.05.2019, Neustadt 446, 19:30

Vortrag von Michael Bonvalot, freier Journalist und Sozialarbeiter im Freischütz, Saal im ersten Stock

Vorlesungsreihe Sommersemester 2019

Verantwortung und Mündigkeit in digitalen Zeiten von Lisa Krammel

26.03.2019 | 19 Uhr | Hochschule Landshut, Raum D002

Wenn wir wissen, dass wir beobachtet werden verhalten wir uns anders, als wenn wir uns unbeobachtet fühlen. Im heutigen digitalen Zeitalter werden fast alle unsere Handlungen dokumentiert und gespeichert. Wer mit dem Smartphone unterwegs ist und die Zugriffsrechte seiner Apps nicht massiv einschränkt, wird auf Schritt und Tritt verfolgt.

Wer unsere Kommunikationsmedien kontrolliert, hat die Macht uns zu unterdrücken und zu manipulieren. Wenn wir nicht selbst die Verantwortung für unser Handeln tragen, übernehmen andere die Kontrolle über unser Leben, unsere Gedanken und schlussendlich auch unser Handeln.

Privatsphäre und Informationsfreiheit sind wichtige Grundlagen unserer Demokratie. Es geht nicht nur um unser persönliches Wohl, sondern es geht um mehr. Unsere Demokratie ist in Gefahr. Wenn wir auch unseren Kindern ein Leben in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft ermöglichen wollen, müssen wir etwas dafür tun. Demokratie bedeutet nicht, sich alles gefallen zu lassen. Demokratie bedeutet, sich am politischen Geschehen zu beteiligen. Wir alle sind ein Teil des Staats. Wir tragen Verantwortung für unser Handeln.

Um Verantwortung übernehmen zu können, müssen wir zumindest versuchen die Folgen unseres Handelns abzuschätzen. Es ist unmöglich, von heute auf morgen alles richtig zu machen und sich mündig zu verhalten.
Mündigkeit ist Übungssache.

Der Vortrag will auf Gefahren hinweisen, über Verantwortung diskutieren und Wege aufzeigen.

Religionskritik nach Marx und Feuerbach – Ein Vortrag von Manuel Kellner

16.04.2019 | 19 Uhr | Raum D002

In der Tradition der Aufklärung sind verschiedene Argumentationsmuster der Religionskritik entwickelt worden. Die Wahrheit der Dogmen ist bestritten worden. Die einen Aufklärer haben die Priesterschaft des Betrugs zum eigenen Vorteil überführt, die anderen haben die Religion für nützlich zur Disziplinierung des einfachen Volkes erklärt. Wieder andere unterzogen die für heilig erklärten Texte einer eingehenden Kritik.
Mit dem Philosophen und Hegel-Schüler Ludwig Feuerbach kam im 19. Jahrhundert eine Wende in der Religionskritik. Feuerbach ging es nicht mehr um die Wahrheit oder Unwahrheit der Dogmen, sondern er entzifferte sie als Projektionen des menschlichen Wesens und als unbewussten Ausdruck menschlicher Wünsche und Bedürfnisse.
Marx ist von der Kritik der Religion übergegangen zur Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere zur Kritik der kapitalistischen Produktionsweise sowie jeglicher Ausbeutung und Unterdrückung.
Ob die emanzipatorischen Hoffnungen verwirklicht werden oder nicht, in jedem Falle bleibt der „kategorische Imperativ“ von Karl Marx in Kraft, nämlich „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“.
In der Zwischenzeit nimmt religiöse Befangenheit wieder zu, ungeachtet der Krise der Kirchen. Gerade fundamentalistische und esoterische Formen sind im Aufwind. Das hängt zusammen mit dem Rückgang der Hoffnungen auf Selbstbefreiung im Diesseits.
Bei der kritischen Auseinandersetzung mit der Religion sollte nicht hinter Feuerbach und Marx zurückgefallen werden. Die Denunziation der beruflichen und politischen Nutznießer der verschiedenen Glaubensrichtungen reicht nicht. Gegenüber religiösen Menschen ist einfühlendes Verstehen wichtig: Welche menschlichen Bedürfnisse drücken sich bei ihnen in religiösen Formen aus? Wie können sie für den gemeinsamen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung gewonnen werden?

Moderne Sklaverei in Deutschland , Referentin Klara Skrivankova

14.05.2019 | 19 Uhr | Hochschule Landshut, Raum D002

Moderne Sklaverei gibt es überall auf der Welt, nicht nur in Entwicklungsländern wie dem Sudan, sondern auch im Herzen Europas. Auch in Deutschland werden Menschen gezwungen, unter Bedingungen zu arbeiten, die der Sklaverei ähneln oder de facto Sklaverei sind. Jährlich werden hunderte, sogar tausende Menschen Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit in Deutschland. Frauen sind oft von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung betroffen, Männer werden in Bereichen wie der Landwirtschaft oder auf dem Bau ausgebeutet. Arbeitszeiten bis zu 19 Stunden am Tag kommen vor; die Betroffenen sind nicht in der Position, einzelne Tätigkeiten abzulehnen. Die Entgelte liegen, sofern überhaupt gezahlt wird, deutlich unter dem branchenüblichen Gehalt.
Moderne Sklaverei findet in ganz normalen Wirtschaftsbereichen statt, daher stellt sich zunehmend die Frage nach der Verbindung von Menschenrechten und Wirtschaftsleben, die Frage danach, wie Unternehmen zur Ausbildung von moderner Sklaverei beitragen und welche Verantwortung sie haben.

Vorlesungsreihe Wintersemester 2018/2019

Buchvorstellung „Freiheit ist keine Metapher“: Antisemitismus, Migration, Rassismus, Religionskritik
mit Annette Seidel-Arpaci und Vojin Saša Vukadinović

02.November 2018, 19 Uhr | Kinoptikum

Die Literaturwissenschaftlerin Silvia Bovenschen hat einmal bemerkt, dass vermutlich jede Bewegung irgendwann ihre eigene Karikatur hervorbringt. Der Genderfeminismus, der Antirassismus und der Queerfeminismus sind ebendies: Karikaturen geschlechter-, migrations- und sexualpolitischer Emanzipationsregungen. Der Sammelband nimmt diesen pessimistischen Befund zum Ausgangspunkt, um über den Verrat an der Mündigkeit nachzudenken, der sich in den letzten zehn Jahren besonders in den vorgenannten Bereichen kenntlich gemacht hat. Am Beispiel von Antisemitismus, Migration, Rassismus und Religionskritik zeigen rund dreißig Beiträge, wie fatal die Konsequenzen einer Haltung sind, die nur noch in Kollektiven zu denken vermag, die dann entweder als Gruppenidentität eingefordert oder aber ressentimentbeladen bekämpft wird; der als politische Organisationsformen nur noch „Koalitionen“ und „Verbündete“ einfallen und die zudem längst vergessen hat, dass Kritik ein Mittel dazu ist, um schlechte Verhältnisse nicht hinzunehmen.

Saša Vukadinović
ist Herausgeber des Bandes und wird uns erzählen wie es zum Sammelband kam und wird zur Notwendigkeit der hierin geführten Auseinandersetzungen sprechen. Saša ist Historiker und Geschlechterforscher und hat an der FU Berlin zum Thema „Politik des Ressentiments. Antifeminismus, Linksterrorismus, Sexualmoral“ promoviert.

Annette Seidel-Arpacı
ist Autorin eines Beitrages, der sich mit antisemitischem Verschwörungsdenken im deutschen HipHop befasst und wird mit ihrem Vortrag zu diesem Thema das Anliegen des Bandes illustrieren. Annette hat Cultural Studies und Jewish Studies studiert und an der University of Leeds über literarische und kulturpolitische Auseinandersetzungen um Erinnerungspolitik, Antisemitismus, Rassismus und Migration in Deutschland promoviert.

Vortrag mit Thomas Nuding – Mission Lifeline

20.November 2018, 19 Uhr | Hochschule Landshut Raum D 002

Politische Verfolgung, Krieg, Hunger, Klimawandel, bitterste Armut. Fluchtursachen gibt es viele! Jedoch verlässt kein Mensch seine Heimat FREIWILLIG! Schon gar nicht wenn er um die Zustände in Libyen und im Mittelmeer weiß. Jedoch ist es humanitäre PFLICHTAUFGABE dort präsent zu sein, wo unsere Politiker, unsere Regierungen und die EU Menschen wissentlich! sterben lassen, um einen Abschreckungseffekt zu erzielen. Die NGO Mission-Lifeline tritt diesem Sterben aktiv entgegen! Und wird deswegen diffamiert und bekämpft! Vom Versagen der Politik soll abgelenkt werden. Von diesem aktiven Kampf gegen das Sterben im Mittelmeer berichtet an diesem Abend Thomas Nuding von Mission Lifeline eV Dresden, er war schon für mehrere NGO’s im Einsatz: Als Kapitän und Einsatzleiter (Head of Mission)! Um Spenden für
Mission Lifeline wird gebeten

Solikonzert für Mission Lifeline

23. November 2018 | JUZ Poschingervilla Landshut

Einlass 20:00
Beginn 21:00
Alle Einnahmen werden an die Mission Lifeline gespendet

Vortrag mit Peter Bierl – Pädagogik für Arier: Anthroposophie und Waldorfschule

27. November 2018, 19 Uhr | Hochschule Landshut, Raum D 002

Hautcreme für Babypopos von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, Rudolf-Steiner-Brot im Naturkostladen und die Waldorfschule basieren auf der Anthroposophie. Der Journalist Peter Bierl analysiert die okkulte Weltanschauung hinter den Produkten und ihrem Erfinder Rudolf Steiner. Der Mann präsentierte sich als Hellseher und wurde von Anhängern als „Menschheitsführer“ und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt. Steiner war überzeugt, dass nur die „weiße Rasse“ am Geiste schafft, während Schwarze überhitzte Triebwesen seien und Juden zersetzend wirkten. In der Welt der Anthroposophen spuken Engel und Dämonen, Volks- und Rassengeister, finden sich Versatzstücke aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum vermischt mit Darwinismus und Kulturpessimismus. Anthroposophen erklären die Reaktorkatastrophe in Fukushima als karmischen Ausgleich, die Waldorfpädagogik basiert auf der Vorstellung von Reinkarnation und Karma. Lehrer werden nach den Ideen Steiners ausgebildet. In einem Buch, das zur Unterrichtsvorbereitung empfohlen wurde, heißt es: „Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“

Peter Bierl ist freier Journalist und lebt in der Nähe von München. Er schreibt u.a. für Konkret, Jungle World und Rechter Rand. Er ist Autor von „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag 2014), „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (Konkret-Verlag, 2012) sowie „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (Konkret, 2005)

Seminar mit Peter Bierl – Einmaleins der Kapitalismuskritik

28. November 2019, 10:00 bis 15:00 Uhr | Hochschule Landshut Raum D 004

Seit der Weltwirtschaftskrise von 2008 hat der Kapitalismus wieder ein schlechtes Image. Die Vorstellungen darüber, was Kapitalismus eigentlich ausmacht, gehen jedoch weit auseinander. Manche unterscheiden Kapitalismus und Marktwirtschaft, andere Finanzwirtschaft und „Realwirtschaft“ als wären es Paralleluniversen. Einige sprechen vom Raubtier- oder Kasinokapitalismus, als ginge es bloß um Auswüchse. Nach rechts anschlussfähig ist die Rede von den Heuschrecken ebenso wie die Chiffre von der Herrschaft der internationalen Hochfinanz.
Das Seminar mit Peter Bierl bietet eine Einführung in die Kapitalismuskritik. Der Referent skizziert die wichtige historische, aktuelle und populäre Varianten und konfrontiert diese mit der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx. Dieser analysierte das Kapital als dynamisches Verhältnis, entwickelte eine Geld- und Krisentheorie und beschäftigte sich mit Aktiengesellschaften als am weitesten entwickelte Form des Kapitals.
Profitmaximierung und Akkumulation von Kapital sind der Zweck der Veranstaltung, nicht die Befriedigung von Grundbedürfnissen. Dafür sind Fabriken und Büros, Banken und Börse, Kaufladen und Supermarkt gleichermaßen notwendig, ein integriertes System aus Produktion, Finanzen und Handel.
Der Referent Peter Bierl ist freier Journalist und Verfasser des Buches „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn – Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (2012).

Vortrag mit Anna Seidel
„Popfeminismus und Kritik – Beyoncés Herstory, Marketplace Feminism und warum es kompliziert bleibt“

12. Dezember 2018, 19 Uhr | Hochschule Landshut, Raum D 002

Pop und Feminismus gehen längst Hand in Hand. Von den Riot Grrrls in den USA Anfang der 90er-Jahre bis zum zehnten Geburtstag vom popfeministischen Missy Magazine ist einiges passiert: die Spice Girls, Kerstin Grethers Zuckerbabys, Beyoncé flawless bei den MTV Video Music Awards…
Anna Seidel wird anhand dieser und anderer Schlaglichter einführend über die Verknüpfung von Pop und Feminismus sprechen und der Frage nachspüren, wie das eigentlich zusammengeht.

Buchvorstellung mit Alexander Neupert, Jan Hoff und Julian Bothe -
Konkrete Utopie: Autonomie und Solidarische Lebensweise

14. Januar 2019, 19 Uhr | Hochschule Landshut, Raum D 002

Konkrete Utopien bezeichnen, nach dem Philosophen Ernst Bloch, bestehende Möglichkeiten, die verwirklicht werden sollten. Es bleibt dabei Aufgabe von Kritik und Politik zu diskutieren, welche vorliegenden Möglichkeiten zu verwirklichen wären. Damit ist schon die Frage nach normativen Maßstäben für Utopien gestellt.
In dem von Alexander Neupert-Doppler herausgegebenen Band ‚Konkrete Utopien – Unsere Alternativen zum Nationalismus‘ veröffentliche Jan Hoff einen Artikel über ‚Autonomie als emanzipatorisches Grundprinzip‘, Julian Bothe einen weiteren Beitrag über ‚Solidarische Lebensweise als globale Sammelutopie‘.
Wie aber können autonome Selbstbestimmung und globale Verantwortung zusammenkommen? Darüber soll an diesem Abend vorgetragen und beraten werden.

Julian Bothe hat Geographie und Sozialwissenschaft studiert und promoviert zu den sozialen Prozessen der Energiewende an der Universität München. Er ist bei ‚Ende Gelände‘ aktiv.

Dr. Jan Hoff ist promovierter Historiker und habilitierter Politikwissenschaftler. Zudem ist er in der außerakademischen Erwachsenenbildung aktiv, u.a. bei gewerkschaftlichen Bildungseinrichtungen.

Dr. Alexander Neupert-Doppler forscht und publiziert u.a. zum Thema Utopie. Bisher erscheinen der Band ‚Utopie‘ (2015), ein Beitrag in ‚Staat und Politik bei Ernst Bloch‘ (2016), ‚Der utopische Imperativ – Herbert Marcuse, 1968 und die Neue Linke‘ (2017) und zuletzt ‚Konkrete Utopien – Unsere Alternativen zum Nationalismus‘ (2018).

Seminar mit Dr. Alexander Neupert-Doppler
Kritische Theorie und Utopie – Zwischen Bilderverbot & Grundriß

14. Januar 2019, 10 Uhr | Hochschule Landshut, Raum D 004

In Kreisen die sich für die Kritische Theorie der Gesellschaft interessieren, wird aus dem Vorbehalt, nichts Endgültiges über eine post-kapitalistische Gesellschaft dogmatisch vorzuschreiben, gerne ein Verbot gemacht, nämlich nicht über mögliche Zukünfte zu reden. In der Tat sprach Theodor W. Adorno davon, es sei „um der Utopie willen zu verbieten, von der Utopie ein Bild zu machen“, befürchtete aber an derselben Stelle, es tendiere „dieses Verbot einer konkreten Aussage über die Utopie dazu, das utopische Bewusstsein selber zu diffamieren und das zu verschlucken, worauf es ankäme, nämlich diesen Willen, dass es anders ist“. Wie aber können wir etwas wollen, ohne zu sagen wie es wäre? Worauf sich Kritik beschränken darf, zu sagen was nicht-mehr sein soll, ist keine Option für Politik, die viel mehr sagen muss, was noch-nicht ist, aber sein sollte. Praktisch ist bereits Widerstand gegen Bestehendes oder Schlimmeres immer schon Positionierung für den Status quo oder etwas Mögliches. Es wird also darüber zu reden sein, wie – unter Vorbehalt – über Utopien gesprochen werden kann ohne dogmatische Rezepte zu liefern.

Dr. Alexander Neupert-Doppler arbeitet als Bildungsreferent bei der Sozialistischen Jugend / Falken Hannover. 2013 erschien sein Buch gegen die Widrigkeiten des ‚Staatsfetischismus‘, 2015 der Band ‚Utopie‘, der 2018 durch einen Sammelband über konkrete Möglichkeiten ergänzt wurde. Noch nicht veröffentlich ist das dritte Buch über den Begriff ‚Kairos‘ – politische Gelegenheiten.

Film und Gespräch mit Matthias Coers – DAS GEGENTEIL VON GRAU

22. Januar 2018, 19 Uhr | Kinoptikum

Von Freiraum- und Wohnkämpfen über Solidarische Landwirtschaft bis hin zur Refugees’ Kitchen. Brachflächen, Leerstand, Anonymität, Stillstand – nicht alle zwischen Dortmund und Duisburg wollen sich damit abfinden. Im Gegenteil. Immer mehr Menschen entdecken Möglichkeiten und greifen in den städtischen Alltag ein. Ein Wohnzimmer mitten auf der Straße, Nachbarschaft, Gemeinschaftsgärten. Stadtteilläden, Repair Cafés und Mieter*inneninitiativen entstehen in den Nischen der Städte – unabhängig, selbstbestimmt und gemeinsam.
Das Gegenteil von Grau zeigt unterschiedliche Gruppen, die praktische Utopien und Freiräume leben und für ein solidarisches und ökologisches Miteinander im urbanen Raum kämpfen.

Ein Dokumentarfilm von Matthias Coers und Recht auf Stadt Ruhr
D 2017 90 min. | deutsch / OmU englisch / griechisch | FSK ab 0freigegeben

Bisher hatte der Film 120 Aufführungen in der BRD, den Niederlanden, Griechenland, Kosovo, der Schweiz und Österreich, 50 davon fanden in Kinos statt.

Ausführliche Informationen und der Trailer finden sich auf den Webseiten http://gegenteilgrau.de und http://zweischritte.berlin.

Veranstalltungen Wintersemester 2015/16

Pädagogik für Arier
Die Grundlagen der Waldorfpädagogik

01.Dezember 19 Uhr| Hochschule Landshut BS002

Hautcreme für Babypopos von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, Rudolf-Steiner-Brot im Naturkostladen und die Waldorfschule kennen viele, nicht aber die Weltanschauung, die dahinter steckt. Der Journalist Peter Bierl, Autor des Buches „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister“, beschäftigt sich in seinem Vortrag mit der Anthroposophie und ihrem Gründer Rudolf Steiner. Der Mann, der sich als Hellseher präsentierte, von Anhängern als „Menschheitsführer“ und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt wurde, war überzeugt, dass nur die „weiße Rasse“ am Geiste schafft, während Asiaten dekadent, Schwarze überhitzte Triebwesen und Juden einseitig intellektuell seien und zersetzend wirkten. Die Deutschen rechnete der Guru einer fünften Wurzelrasse der Arier zu, die Jahrtausende führend sein soll. In Steiners Welt spuken Engel und Dämonen, Volks- und Rassengeister, er mixte Versatzstücke aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum mit darwinistischen Evolutionsvorstellungen und bürgerlichem Kulturpessimismus. Getreu ihrem Meister erklären Anthroposophen heute Tsunami und Reaktorkatastrophe in Fukushima als karmischen Ausgleich für einen angeblich besonderen Materialismus der Japaner. Solche bizarren Vorstellungen prägen die Waldorfschule, ihre ideologische Grundlage ist die Idee von Reinkarnation und Karma. Lehrer werden nach den Ideen Steiners ausgebildet. In einem Buch, das zur Unterrichtsvorbereitung empfohlen wurde, heißt es: „Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“

Peter Bierl ist freier Journalist und lebt in der Nähe von München. Er schreibt u.a. für Konkret, Jungle World und Rechter Rand. Er ist Autor von „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag 2014), „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (Konkret-Verlag, 2012) sowie „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (Konkret, 2005)

Die Einsamkeit Israels
Zionismus, die israelische Linke & die iranische Bedrohung

Buchpräsentation mit Stephan Grigat

14.Januar 19 Uhr | Hochschule Landshut BS002

In der deutschsprachigen Nahost-Diskussion trifft man immer wieder auf die Behauptung, der Antisemitismus in den arabischen und islamischen Ländern sei ein Resultat des Nahost-Konflikts. Dagegen soll verdeutlicht werden, inwiefern der arabische und islamische Antisemitismus eine der zentralen Ursachen dieses Konfliktes ist, dessen Verlauf maßgeblich bestimmt hat und bis heute prägt.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. Einer seiner Hauptprotagonisten ist heute das iranische Regime. Dass die im Antizionismus angelegten Vernichtungsphantasien nicht Realität geworden sind, verdankt sich einzig und allein der israelischen Staatsgewalt.
Heute gilt es, sich einen Begriff von der Einsamkeit des jüdischen Staates zu machen und den Ressentiments entgegenzutreten, die jenem Staat, der in Reaktion auf den Antisemitismus und als Konsequenz aus der Shoah gegründet wurde, keineswegs zufällig in den postnazistischen Gesellschaften Deutschlands und Österreichs in besonderem Ausmaß entgegenschlagen.

Stephan Grigat: Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung. Hamburg: Konkret 2014, 184 Seiten, 19,- Euro

Stephan Grigat ist Gastprofessor an der Justuts-Liebig-Universität Gießen und Wissenschaftlicher Direktor des Bündnisses STOP THE BOMB.

Vortrag mit Roger Behrens + Konzert
Stell Dir vor, es ist Revolution, und alle gehen hin – aber keiner macht sie!
Kritik der Popkulturindustrie

23.Januar 19 Uhr | Produzentengalerie Landshut

Die Konsumenten wissen, mit was für einen Schrott sie von der Kulturindustrie im Großen und Ganzen beliefert werden: »die vollends durchschauten Kulturwaren« (Adorno / Horkheimer) bezeichnen die Erweiterung der Kulturindustrie zur Reklameindustrie. Selbstverständlich gehört zur Unterhaltung dazu, dass man irgendwie auch über die Dinge Bescheid weiß und sich kritisch gibt. 
Seit den 1950er Jahren wurde solche »Kritik« unter dem Vorzeichen des Pop sukzessive als eine Art von ästhetischem Verbraucherschutz installiert: die reflexive Vergewisserung darüber, dass der Spaß, den man sich könnt, eigentlich ziemlich blöd ist, ist heute endgültig Programm: selbst das Feuilleton der konservativen Zeitungen ist voll mit Verbalradikalismen, jede Band, die etwas auf sich hält, gibt sich provokativ und findet den Kapitalismus doof, zwischen Youtube und Facebook tummeln sich Ressentiments ebenso wie Revolutionsparolen. Hauptsache laut. Die Stimme des realen Humanismus, die Kultur auch als Kommunismus verteidigt, ist kaum noch zu hören – und wenn doch, dann klingt sie lächerlich. Was ist hier los?
Der Vortrag versucht darauf systematische wie historische Antworten zu geben, zur Diskussion.

Konzert:
Clemens Dannenbeck (Piano)
Open Border Land. Eine freie Interpretation
Dualhead (Free-Jazz-Improvisationen)
DJ Biss Wurm (abwegiges & absonderliches)