Archiv für Oktober 2012

Vortrag & Diskussion am 07.11.12: Migration und Grenze im Kontext des „Arabischen Frühlings“

7. November 2012, 18.45 Uhr | Hochschule Landshut

Vortrag & Diskussion:
Migration und Grenze im Kontext des „Arabischen Frühlings“

Mit: Bernd Kasparek (Mitherausgeber des Sammelbandes „Grenzregime. Diskurse, Praktiken, Institutionen in Europa“ und promoviert in Göttingen im Bereich der kritischen Migrationsforschung)

Der arabische Frühling, im Besonderen der tunesische Aufbrauch, hat nicht nur Diktaturen hinweggefegt. Für einen kurzen Moment brachte er auch das europäische externalisierte System der Migrationsabwehr zum Erliegen. Der Vortrag wird einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der europäischen Grenze im Mittelmeer geben, die aktuelle Krise Schengens1 beleuchten und nach möglichen zukünftigen Entwicklungen fragen.

Die Veranstaltung ist auch zu finden auf facebook.

  1. „Das am 14. Juni 1985 in der luxemburgischen Stadt Schengen geschlossene Abkommen markiert nach offizieller Lesart den Beginn einer europäischen Erfolgsgeschichte, den Einstieg in ein Europa ohne Binnengrenzen.

    Die hässliche Kehrseite: Die Freizügigkeit im Schengenland, das mittlerweile 25 europäische Staaten umfasst, wurde teuer erkauft. Über 15.000 Flüchtlinge und Migranten – mehr als 10.000 allein im Mittelmeer und Atlantik – starben in den letzten zwei Jahrzehnten an den hochgerüsteten europäischen Außengrenzen, in den Haftanstalten der Mitgliedstaaten und bei Abschiebungen.

    1989, nur 4 Jahre nach Schengen, fielen in Europa die Mauern zwischen Ost und West. Das damit verbundene Freiheitsversprechen ist jedoch nicht eingelöst worden. Schengen war nicht die Geburtsstunde eines demokratischeren und offenen Europas, sondern der Startschuss zum Bau neuer Mauern. Motor dieser dramatischen Entwicklung war und ist Deutschland. …“ (Stellungnahme von Pro Asyl vom 14.06.2010, empfohlen sei z.B. auch ein älterer, doch nach wie vor aktueller, Artikel der Wochenzeitung Jungle World zum 20-jährigen Jubiläum des Schengener Abkommens) [zurück]

Veranstaltungen im Wintersemester 2012/2013

07.11.2012, 18:45 Uhr

Vortrag und Diskussion:

Migration und Grenze im Kontext des „Arabischen Frühlings“

Mit: Bernd Kasparek (Mitherausgeber des Sammelbandes „Grenzregime. Diskurse, Praktiken, Institutionen in Europa“ und promoviert in Göttingen im Bereich der kritischen Migrationsforschung)

28.11.12, 18:45 Uhr im Kinoptikum

Filme:

„Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“

  • Die Massaker von Sétif – Ein anderer 8. Mai, OmU

Dokumentation, 53 Minuten; Frankreich 2003; Regie: Mehdi Lallaoui/Bernard Langlois. 

 

  • Auch Afrikaner haben das Elsass befreit, OmU

Dokumentation, 26 Minuten; Frankreich 1994; Regie: Jean Marie Fawer 

05. Dezember 2012, 18:45 Uhr

Vortrag und Diskussion:

 

Die Transformation des Rassismus – Ist „Kultur“ die neue „Rasse“?

 

Mit: Florian Eisheuer (Zentrum für Antisemitismusforschung, Berlin)

12. Dezember 2012, 18.45 Uhr

Vortrag und Diskussion:

 


„Die Einsamkeit Israels – Der globale Antisemitismus und die aktuelle Situation im Nahen Osten“

 

Mit: Dr. Stephan Grigat (Politikwissenschaftler und Lehrbeauftragter an der Universität Wien)

13. Dezember 2012, 11:00 Uhr

Seminar:

„Kritik des Antisemitismus – Kritische Theorie des Zionismus“

 

Mit: Dr. Stephan Grigat

09. Januar 2013, 18.45 Uhr

Vortrag und Diskussion:

„Die Auslöschung geschlechtlicher und sexueller Ambiguität seit der europäischen Moderne“

 

Mit: Heinz Jürgen Voss (Forscher zu historischen und aktuellen biologischen und medizinischen Geschlechtertheorien und ihrer gesellschaftlichen Einbindung)

16. Januar 2013, 18:45 Uhr

Vortrag und Diskussion:

 

„Antiziganistische Zustände“

 

Mit: Markus End (Mitherausgeber des Sammelbandes „Antiziganistische Zustände“ und promoviert in Berlin zu Semantiken des Antiziganismus)

Fortführung der Veranstaltungsreihe in diesem Wintersemester unter dem Titel: „(In-)visible Borders – gesellschaftliche Grenzen aufzeigen“

Viele der Konflikte, Krisen und Katastrophen, von denen Menschen in der modernen Gesellschaft betroffen sind, werden aus sozialstaatlicher Sicht häufig als Folge individuellen Versagens gewertet. Diese Annahme wird schon durch die entsprechenden Hilfsinterventionen, deren Ziel es ist, das Individuum in den gesellschaftlichen „Normalbetrieb“ zurückzuführen, praktisch impliziert. Davon abgesehen, dass die Erfolgschancen solcher, meist auf kurze Dauer ausgelegter Maßnahmen, langfristig betrachtet, sich als eher gering erweisen, sind Stigmatisierung und Ausgrenzung häufige Folgen. So kommt es zu Stereotypen wie den „faulen Hartz-IV-Empfängern“ oder den „integrationsunwilligen Ausländern“, die, vom regressiven Kollektiv – welches gerade in Krisenzeiten seinem Wahn immer wieder tatkräftig Ausdruck verschafft1 – für volkswirtschaftlich unproduktiv angesehen, dann nur die Kehrseite zur Vorstellung des „raffenden“ Wallstreet-Bankers darstellen. Was nicht erkannt wird, ist die Tatsache, dass solche Vorstellungen auf Ursachen beruhen, die diese Gesellschaft, als solche, erst konstituieren.
In der, von Studierenden der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Landshut organisierten Veranstalltungsreihe „(In)visble Borders – Gesellschaftliche Grenzen aufzeigen“ geht es darum, gesellschaftliche Phänomene aufzuzeigen, die auf strukturellen Ursachen beruhen und, sich für die Betroffenen selbst, als Grenze erweisen. So behandeln ausgewählte Referent_innen, u.a. die Themen Antisemitismus, Antiziganismus, Intersexualität sowie Migration. Den Ursachen gesellschaftlicher Ausschlussformen, die durch diese Phänomene impliziert werden, soll kritisch, auch im Hinblick auf Möglichkeiten und Grenzen der Bekämpfung, auf den Grund gegangen werden.

Genaueres demnächst hier und auf Facebook

  1. wie es sich bspw. beim sich zum zwanzigstem Mal jährenden Pogrom von Rostock-Lichtenhagen zeigte, als sich eine Melange aus bis zu 3000 Anwohnern sowie bekannten Köpfen von NPD und Kameradschaftsspektrum aufmachte, zusammen über das Wohnheim, als Volksfeinde identifizierter ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter herzufallen, welche nur knapp mit dem Leben entkamen. [zurück]