Archiv für Dezember 2012

Tagesseminar mit Stephan Grigat am 13.12: Kritik des Antisemitismus – Kritische Theorie des Zionismus

13. Dezember 2012, 11:00 – 16:00 Uhr | Hochschule Landshut, ZH 007

Tagesseminar:
Kritik des Antisemitismus – Kritische Theorie des Zionismus

Mit: Dr. Stephan Grigat

11.00-12.00 Uhr
KRITIK DES ANTISEMITISMUS. ÜBER DEN ZUSAMMENHANG VON GESELLSCHAFTSKRITIK UND ANTISEMITISMUSKRITIK


Soll der Antisemitismus nicht als ein bloßes Vorurteil verharmlost werden, sondern im ideologiekritischen Sinne als wahnhafte Projektion dechiffriert werden, so gilt es, sich den Begriff der „antisemitischen Gesellschaft“ zu vergegenwärtigen, der von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer entwickelt wurde. Was sind die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen die beschädigten Subjekte sich immer wieder für das Ausagieren des antisemitischen Hasses entscheiden? Und inwiefern kann angesichts eines fremdbestimmten gesellschaftlichen Daseins überhaupt von einer freien Entscheidung gesprochen werden?

12:15-13:15 Uhr
KRITISCHE THEORIE DES ZIONISMUS. ÜBER DIE NEGATIVITÄT DES JÜDISCHEN NATIONALISMUS UND DAS VERHÄLTNIS VON UNIVERSALISMUS & PARTIKULARISMUS IN ISRAEL

Der Zionismus ist die unmittelbare Antwort sowohl auf den europäischen als auch auf den arabischen und islamischen Antisemitismus. In ihm existiert zwangsläufig ein Spannungsverhältnis zwischen universalistischem Emanzipationsanspruch und notwendigerweise partikularer Organisation in Form eines Nationalstaates. Wie ist der Zionismus als nationale Befreiungsbewegung der Juden und Jüdinnen vor dem Hintergrund einer kritischen Theorie der Gesellschaft zu begreifen?

14:00-16:00 Uhr
DER KATEGORISCHE IMPERATIV NACH AUSCHWITZ. ÜBER DIE GESCHICHTE DES ZIONISMUS UND DIE AKTUELLE BEDROHUNG ISRAELS

Adorno formulierte einen neuen kategorischen Imperativ: alles Handeln und Denken im Standes der Unfreiheit so einzurichten, dass Auschwitz sich nicht wiederholen kann. Der Zionismus hat versucht, diesem Imperativ auf seine Weise gerecht zu werden, indem sich die israelische Armee konsequent gegen jeden Vernichtungsversuch zur Wehr setzte und setzt – mitunter präventiv und aggressiv. Was waren dabei die entscheidenden Situationen in der israelischen Geschichte von der Staatsgründung bis zur gegenwärtigen Konfrontation mit dem iranischen Regime?

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, war Forschungsstipendiat in Tel Aviv und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses STOP THE BOMB. Er ist Mitherausgeber von Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer (Studienverlag 2008) sowie von Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung (Studienverlag 2010) und Herausgeber von Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert (ça ira 2012).

Die Veranstaltung ist auch zu finden auf facebook.

Vortrag von Florian Eisheuer: „Die Transformation des Rassismus: ist „Kultur“ die neue „Rasse“?“ als Audiomitschnitt zum nachhören auf dem blog

Unter der Kategorie zum nachhören… findet sich ab jetzt auch der Vortrag von Florian Eisheuer „Die Transformation des Rassismus: ist ‚Kultur‘ die neue ‚Rasse‘?“ von letztem Mittwoch als Audiomitschnitt.

Vortrag von Stephan Grigat am 12.12: Die Einsamkeit Israels – Der globale Antisemitismus und die aktuelle Situation im Nahen Osten

12. Dezember 2012, 18.45 Uhr | Hochschule Landshut, BS 002

Vortrag & Diskussion:
Die Einsamkeit Israels – Der globale Antisemitismus und die aktuelle Situation im Nahen Osten

Mit: Dr. Stephan Grigat

Wer Anfang 2011 davor warnte, der arabische „Frühling“ könne sehr schnell in einem Siegeszug der islamistischen Moslembrüder enden und für Israel zu einer neuen Bedrohung führen, galt als Schwarzseher, der „den Arabern“ keine Demokratie „gönnen“ würde. Heute ist nicht zuletzt angesichts der Wahlergebnisse in Ägypten Ernüchterung eingetreten. Nachdem die Erfolge der Islamisten nicht mehr geleugnet werden können, geht man dazu über, ihre Ideologie schön zu reden.
Die zentrale Frage lautet, ob jener für den Nahen Osten so typische Mechanismus durchbrochen werden kann, bei dem die innergesellschaftlichen und durch den Weltmarkt evozierten Widersprüche, die durch den Sturz von Mubarak in Ägypten oder von Ben Ali in Tunesien nicht verschwunden sind, stets in hemmungslose Aggression gegen den jüdischen Staat transformiert werden. Bisher gibt es wenig Anzeichen dafür, dass das in absehbarer Zeit gelingen kann.
Der Vortrag wird versuchen, eine Einschätzung der aktuellen Situation im Nahen Osten zu geben, die prekäre Situation Israels angesichts der iranischen Vernichtungsdrohungen darzustellen und die Politik Deutschlands und der EU gegenüber den zentralen Akteuren im Nahen Osten einzuschätzen.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, war Forschungsstipendiat in Tel Aviv und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündnisses STOP THE BOMB. Er ist Mitherausgeber von Der Iran. Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer (Studienverlag 2008) sowie von Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung (Studienverlag 2010) und Herausgeber von Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert (ça ira 2012).

Die Veranstaltung ist auch zu finden auf facebook.