Archiv für Juni 2013

Vortrag und Film am 3.7.2013: Das Problem heißt Rassismus

03.07.2013, 20:30 Uhr|Kinoptikum Landshut

Vortrag der Karawane für Rechte der Flüchtlinge und Migrant_innen München und der Film „The Trues lies in Rostock“

Im Mai dieses Jahres jähren sich zwei historische Ereignisse zum zwanzigsten Mal: Die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl durch den sogenannten „Asylkompromiss“ und der rassistisch motivierte Brandanschlag auf das Haus der Familie Genc in Sollingen 1993, durch den fünf Familienmitglieder getötet wurden. Diese Ereignisse geschahen in einer rassistischen Atmosphäre, in der Politik und Öffentlichkeit Angst und Hass gegenüber Migrant_innen schürten und rassistische Gewalt verharmloste, während im allgemeinen Einheitstaumel deutscher Nationalismus wieder salonfähig wurde.

Aber dennoch sollte die Zeit der frühen Neunziger nicht isoliert als bloße historische Etappe betrachtet werden: So können die Progrome der Neunziger nicht ohne die Weg bereitenden Stimmungen und Politiken der siebziger und achtziger Jahre verstanden werden. Außerdem lassen sich heute weitere rassistische Kontinuitäten, zum Beispiel im Diskurs um „Armutseinwanderung aus Osteuropa“ erkennen.

An diesem Abend wollen wir diese rassistischen Kontinuitäten in der BRD seit den siebziger Jahren nachzeichnen und anschließend den Film „The Truth lies in Rostock“ von 1993 über das Progrom von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 zeigen. (Dokumentarfilm von Mark Saunders und Siobhan Cleary, BRD, Großbritannien 1993, 78min)
Die beiden Referenten sind bei der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migrant_innen München aktiv.

Die Veranstaltung ist auch auf facebook zu finden.

Vortrag mit Alice Halmi: Zwangspsychiatrie im Widerspruch zu den Selbstbestimmungsrechten

12. Juni 2013, 18.45 Uhr | Hochschule Landshut, BS 002

Vortrag & Diskussion:
Zwangspsychiatrie im Widerspruch zu den Selbstbestimmungsrechten

Mit: Alice Halmi (Politologin und seit langem engagiert beim Landesverband Psychiatrie-Erfahrener BerlinBrandenburg e.V. und bei der Irren-Offensive e.V. im Werner-Fuß- Zentrum in Berlin)

Thema dieses Vortrags ist das Aufzeigen der gesellschaftspolitischen und rechtlichen Unterscheidung zwischen ‚Normal‘-BürgerInnen und der Anderen, die aufgrund einer psychiatrischen Diagnose ihrer elementaren (Menschen-)Rechte enteignet werden. So wird Letzteren, im Status der angeblich „psychisch Kranken“ letztendlich auch ihr Menschsein aberkannt. Sie werden zwangsweise weggesperrt, zwangsbehandelt und mittels „rechtlicher Betreuung“ entmündigt. Ausgegrenzt und nicht ernst genommen, werden sie von der Psychiatrie (einschließlich ihres gemeindepsychiatrischen Apparates und durch sonstige Instanzen) der Verantwortung für ihr Denken, ihre Handlungen und so der Sorge um sich enthoben.
Andererseits sollen sie nach Durchlaufen der Psychiatrie wieder als Arbeitskraft zur Verfügung stehen und sich in das gängige und gleichzeitig schwerlich definierbare Bild eines „gesunden“ Menschen einfügen und den gesellschaftlichen Normen anpassen. Herrschende Meinung sowie herrschendes Paradigma in der Medizin und der Psychologie ist, dass dies zum „Wohle“ der Betroffenen geschehe und ein therapeutischer Vorgang sei. Im Widerspruch dazu steht nicht nur das auch grundrechtlich verankerte Selbstbestimmungsrecht, sondern das ansonsten in der Medizin geltende Prinzip des „informed consent“ (informierte Zustimmung).
Alice Halmi wird in ihrem Vortrag die Praxis der Zwangspsychiatrie skizzieren, einen Überblick derer gesetzlichen Grundlagen geben und den Widerspruch zu den Grund- und Menschenrechten (wie auch der UN Behindertenrechtskonvention) benennen und den TeilnehmerInnen der Veranstaltung zur Diskussion stellen sowie – je nach Interesse – verbundene Themen. Abrundend wird die PatVerfü, das unter www.patverfue.de nichtkommerziell herausgegebene Formular einer Patientenverfügung, als schützendes Instrument zur Wahrung der Selbstbestimmung vorgestellt. Das offene Ende der Veranstaltung soll dann genügend Raum für die Besprechung diesbezüglicher Fragen bieten.

Wer sich schon vorab näher mit der Thematik auseinandersetzen möchte findet hier und hier Informationen zur einführenden Lektüre.

Die Veranstaltung ist auch zu finden auf facebook.