Archiv für November 2015

Veranstalltungen Wintersemester 2015/16

Pädagogik für Arier
Die Grundlagen der Waldorfpädagogik

01.Dezember 19 Uhr| Hochschule Landshut BS002

Hautcreme für Babypopos von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, Rudolf-Steiner-Brot im Naturkostladen und die Waldorfschule kennen viele, nicht aber die Weltanschauung, die dahinter steckt. Der Journalist Peter Bierl, Autor des Buches „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister“, beschäftigt sich in seinem Vortrag mit der Anthroposophie und ihrem Gründer Rudolf Steiner. Der Mann, der sich als Hellseher präsentierte, von Anhängern als „Menschheitsführer“ und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt wurde, war überzeugt, dass nur die „weiße Rasse“ am Geiste schafft, während Asiaten dekadent, Schwarze überhitzte Triebwesen und Juden einseitig intellektuell seien und zersetzend wirkten. Die Deutschen rechnete der Guru einer fünften Wurzelrasse der Arier zu, die Jahrtausende führend sein soll. In Steiners Welt spuken Engel und Dämonen, Volks- und Rassengeister, er mixte Versatzstücke aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum mit darwinistischen Evolutionsvorstellungen und bürgerlichem Kulturpessimismus. Getreu ihrem Meister erklären Anthroposophen heute Tsunami und Reaktorkatastrophe in Fukushima als karmischen Ausgleich für einen angeblich besonderen Materialismus der Japaner. Solche bizarren Vorstellungen prägen die Waldorfschule, ihre ideologische Grundlage ist die Idee von Reinkarnation und Karma. Lehrer werden nach den Ideen Steiners ausgebildet. In einem Buch, das zur Unterrichtsvorbereitung empfohlen wurde, heißt es: „Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“

Peter Bierl ist freier Journalist und lebt in der Nähe von München. Er schreibt u.a. für Konkret, Jungle World und Rechter Rand. Er ist Autor von „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag 2014), „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts: Der Fall Silvio Gesell“ (Konkret-Verlag, 2012) sowie „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“ (Konkret, 2005)

Die Einsamkeit Israels
Zionismus, die israelische Linke & die iranische Bedrohung

Buchpräsentation mit Stephan Grigat

14.Januar 19 Uhr | Hochschule Landshut BS002

In der deutschsprachigen Nahost-Diskussion trifft man immer wieder auf die Behauptung, der Antisemitismus in den arabischen und islamischen Ländern sei ein Resultat des Nahost-Konflikts. Dagegen soll verdeutlicht werden, inwiefern der arabische und islamische Antisemitismus eine der zentralen Ursachen dieses Konfliktes ist, dessen Verlauf maßgeblich bestimmt hat und bis heute prägt.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. Einer seiner Hauptprotagonisten ist heute das iranische Regime. Dass die im Antizionismus angelegten Vernichtungsphantasien nicht Realität geworden sind, verdankt sich einzig und allein der israelischen Staatsgewalt.
Heute gilt es, sich einen Begriff von der Einsamkeit des jüdischen Staates zu machen und den Ressentiments entgegenzutreten, die jenem Staat, der in Reaktion auf den Antisemitismus und als Konsequenz aus der Shoah gegründet wurde, keineswegs zufällig in den postnazistischen Gesellschaften Deutschlands und Österreichs in besonderem Ausmaß entgegenschlagen.

Stephan Grigat: Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung. Hamburg: Konkret 2014, 184 Seiten, 19,- Euro

Stephan Grigat ist Gastprofessor an der Justuts-Liebig-Universität Gießen und Wissenschaftlicher Direktor des Bündnisses STOP THE BOMB.

Vortrag mit Roger Behrens + Konzert
Stell Dir vor, es ist Revolution, und alle gehen hin – aber keiner macht sie!
Kritik der Popkulturindustrie

23.Januar 19 Uhr | Produzentengalerie Landshut

Die Konsumenten wissen, mit was für einen Schrott sie von der Kulturindustrie im Großen und Ganzen beliefert werden: »die vollends durchschauten Kulturwaren« (Adorno / Horkheimer) bezeichnen die Erweiterung der Kulturindustrie zur Reklameindustrie. Selbstverständlich gehört zur Unterhaltung dazu, dass man irgendwie auch über die Dinge Bescheid weiß und sich kritisch gibt. 
Seit den 1950er Jahren wurde solche »Kritik« unter dem Vorzeichen des Pop sukzessive als eine Art von ästhetischem Verbraucherschutz installiert: die reflexive Vergewisserung darüber, dass der Spaß, den man sich könnt, eigentlich ziemlich blöd ist, ist heute endgültig Programm: selbst das Feuilleton der konservativen Zeitungen ist voll mit Verbalradikalismen, jede Band, die etwas auf sich hält, gibt sich provokativ und findet den Kapitalismus doof, zwischen Youtube und Facebook tummeln sich Ressentiments ebenso wie Revolutionsparolen. Hauptsache laut. Die Stimme des realen Humanismus, die Kultur auch als Kommunismus verteidigt, ist kaum noch zu hören – und wenn doch, dann klingt sie lächerlich. Was ist hier los?
Der Vortrag versucht darauf systematische wie historische Antworten zu geben, zur Diskussion.

Konzert:
Clemens Dannenbeck (Piano)
Open Border Land. Eine freie Interpretation
Dualhead (Free-Jazz-Improvisationen)
DJ Biss Wurm (abwegiges & absonderliches)